Der Schmerz zählt nicht

Warum dürfen weiterhin Ferkel ohne Betäubung kastriert werden? Weil die Menschen immer noch glauben, sie dürften Tiere bis zum Äußersten benutzen.

Vor fünf Jahren entschied die große Koalition, dass das betäubungslose, sprich für das Ferkel sehr schmerzhafte Kastrieren ein Ende haben müsse. Weil jedoch Eber schwer zu vermarkten sind (das Fleisch einiger Eber riecht auch nach Eber), genehmigte die Regierung den „Ferkelerzeugern“ eine fünfjährige Übergangsfrist.

Die „Ferkelerzeuger“ und ihre im Deutschen Bauernverband organisierten Vertreter taten in diesen vergangenen fünf Jahren vieles, nur nicht tierschutzrechtlich unbedenkliche Alternativen entwickeln. Des Weiteren nutzte der Bauernverband die Übergangsfrist dazu, tatsächlich schonende Möglichkeiten zu verunglimpfen, und brachte das Wort „Hormonfleisch“ in Umlauf. Damit ist die Immunokastration gemeint: Durch Impfung wird im Ferkel ein bestimmtes Hormon unterdrückt, sodass das Fleisch des Tieres keinen Ebergeruch entwickelt. Es ist also genau genommen das Gegenteil von Hormonfleisch.

Aber welche Rolle spielen solche Details, wenn die „Ferkelerzeuger“ sich während der fünf Jahre sowieso darauf verlassen konnten, dass irgendjemand in der dem Bauernverband eng verbundenen CDU die Übergangsfrist verlängern würde? Und so kam es.

Das Ergebnis: Die Ferkel dürfen weiter gequält werden. Die „Ferkelerzeuger“ haben der Politik versprochen, diesmal vielleicht wirklich die Übergangsfrist zur Umstellung ihrer Praxis zu nutzen.

Große Mitschuld an der ganzen Misere trifft aber natürlich auch alle Menschen, die (maßlos) Fleisch essen und an der Ladentheke möglichst billig an ihren Tierkadaver kommen möchten.

Dass derartige Grausamkeiten im Jahr 2018 möglich sind, ist ein Zeugnis dafür, wie weit das Tier „Mensch“ in Wirklichkeit entwickelt ist. Vielleicht bleibt ja dem einen oder anderen Homo sapiens der Schweinebraten am Sonntag im Halse stecken. Mahlzeit!

Zum Artikel auf ZEIT ONLINE…

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